Spielautomaten: Wie Österreichs Glücksspielmarkt mit neuen Regeln die Spielsucht bekämpft

In Österreich hat sich die Debatte um Spielautomaten in den letzten Jahren radikal verändert. Während die Zahl der Spielhallen und Automatenplätze in den letzten Jahren zwar stagniert, haben neue Gesetze die Spielpraxis nachhaltig geprägt – besonders im Kampf gegen die zunehmende Suchtgefahr. Die Bundesregierung unter Bundeskanzler Karl Nehammer hat 2021 das Glücksspieländerungsgesetz (GlüAG) verschärft, das unter anderem die Spielautomaten-Dichte in Spielhallen stark begrenzt und die Werbung für Glücksspiel stark einschränkt. Doch wie wirken sich diese Maßnahmen konkret aus, und welche Rolle spielen sie im Vergleich zu anderen Suchtmitteln?

Die neue Dichte-Regelung: Weniger Automaten, mehr Kontrolle

Seit 2022 gelten in Österreich strenge Vorgaben zur Dichte von Spielautomaten. In Spielhallen dürfen maximal 30 % der verfügbaren Sitzplätze an Automatenplätze vergeben werden – in Wien sogar nur 20 %. Diese Regelung wurde nach jahrelangen Debatten um die „Automatenflut“ eingeführt, die in den 2000er-Jahren zu einer massiven Ausweitung der Spielhallen führte. Studien zeigen, dass die Dichte von Automaten in Spielhallen mit einem erhöhten Risiko für Spielsucht korreliert. Laut einer Studie der Universität Wien aus dem Jahr 2022 besuchten Spieler:innen in Hallen mit hoher Automaten-Dichte im Schnitt 2,5 Mal häufiger als in denen mit niedriger Dichte. Die neuen Regeln sollen daher nicht nur die Verfügbarkeit, sondern auch die psychologische Wirkung der Automaten einschränken.

Zusätzlich wurde die Anzahl der Spielhallen selbst begrenzt. Während es 2019 noch über 600 Spielhallen gab, sank die Zahl bis 2023 auf rund 450. Die meisten neuen Spielhallen wurden in ländlichen Regionen eröffnet, wo die Nachfrage traditionell geringer war. Kritiker bemängeln jedoch, dass die Regeln die Konzentration der Spielhallen in Ballungsräumen nicht vollständig verhindern. In Wien etwa bleibt die Dichte in einigen Bezirken wie der Innenstadt noch deutlich höher als im Durchschnitt.

  • Seit 2022 dürfen Spielhallen maximal 30 % der Sitzplätze an Automatenplätze vergeben – in Wien sogar nur 20 %. (mehr infos)
  • Die Zahl der Spielhallen sank von über 600 (2019) auf rund 450 (2023).
  • Automatenbesucher:innen in hohen-Dichte-Hallen spielen im Schnitt 2,5 Mal häufiger als in niedrig-dichten.
  • Die Werbung für Glücksspiel ist seit 2021 auf Social Media und in öffentlichen Räumen verboten.
  • Österreich hat die höchste Suchtpräventionsrate in der EU, aber die Automatendichte bleibt ein zentrales Problem.

Werbekampagnen und Transparenz: Wie Österreich Glücksspiel „entzaubert“

Ein weiterer zentraler Punkt der neuen Gesetze ist die Einschränkung der Werbung für Glücksspiel. Seit 2021 ist die Werbung für Online-Slots und Automaten in sozialen Medien sowie in öffentlichen Räumen verboten. Auch Printwerbung ist stark eingeschränkt – nur noch bestimmte Anbieter dürfen bestimmte Formate nutzen. Die Kampagnen der Glücksspielindustrie mussten sich zudem an strenge Werbevorgaben halten, etwa dass Glücksspiel nicht als „Freizeitbeschäftigung“ vermarktet werden darf. Diese Maßnahmen sollen verhindern, dass Spielautomaten als „harmlose Unterhaltung“ dargestellt werden.

Parallel dazu wurden Präventionsprogramme gestartet, etwa die Kampagne „Spiel dir bewusst“ der Österreichischen Glücksspielkontrolle. Diese informiert Spieler:innen über die Risiken von Spielsucht und bietet Beratungsstellen an. Laut einer Umfrage des Instituts für Psychologie der Universität Graz besuchen rund 15 % der Spielhallenbesucher:innen regelmäßig Beratungsangebote. Besonders erfolgreich ist die „Suchtcheck“-App, die Spieler:innen in Echtzeit warnt, wenn sie übermäßige Spielzeiten erreichen. Die App wurde seit ihrer Einführung 2020 über 100.000 Mal heruntergeladen.

Die Schattenseite: Wie die Regeln die Wirtschaft beeinflussen

Während die Suchtpräventionsmaßnahmen in Österreich als Vorbild gelten, wirft die Einschränkung der Spielautomaten auch wirtschaftliche Fragen auf. Die Branche argumentiert, dass die Regeln zu hohen Kosten für Spielhallen führen und die lokale Wirtschaft schwächen. Besonders betroffen sind kleine Spielhallen in ländlichen Gebieten, die oft auf die Einnahmen aus Automaten angewiesen sind. Laut einer Studie des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB) mussten viele Betreiber:innen ihre Preise erhöhen oder sogar schließen, um die neuen Regeln einzuhalten.

Ein weiterer Konfliktpunkt ist die Online-Glücksspielbranche. Während die neuen Gesetze für Spielhallen gelten, ist die Online-Werbung für Glücksspiel in Österreich noch nicht vollständig reguliert. Kritiker warnen, dass die Online-Plattformen wie Casinos111 oder Bet365 weiterhin gezielt junge Spieler:innen anwerben, indem sie auf Social Media Werbung schalten. Die österreichische Regierung plant jedoch bereits eine Verschärfung der Online-Regulierung, um auch hier die Suchtprävention zu stärken.